Vergeßlichkeit als Überlebensstrategie Seite2
An alle ewigen Gelernten DDR-Bürger unter uns!
Fortsetzung: Preise: Waschmaschinen, Kühlschränke, TV, HiFi-Anlagen etc.
Kinderreich mußte sein, wer Anspruch auf einen Waschvollautomaten erheben
wollte. Wer wollte da schon abtreiben? Aber die waren auch sauteuer.
Halbautomaten kosteten schon um die 2400 Mark. Wie lange mußte
jemand eigentlich arbeiten, um sich derart teure Haustechnik
anschaffen zu können? Und was mir noch einfällt. Wir
begnügten uns immer mit 2. oder 3. Wahl oder noch Schlimmerem.
Da kam es auf die halbe Sache Waschhalbautomat schon gar nicht mehr
an. Das haben wir geschluckt. Mit Würde. Wäsche zum Schleudern rausholen
und in den Schleuderapparat stecken. Und das bei Vollbeschäftigung
der Frau! Ach ja. Das wurde doch auch als Errungenschaft des
Sozialismus den Leuten verkauft. Vollbeschäftigung der
Frau. Sie durfte sogar in 3 oder 4 Schichten arbeiten. Und das
bei geringem Lohn und miesen Arbeitsbedingungen. Nur in den Büros. Da verdienten die Frauen
ein paar Märkerchen mehr. Dafür hatten sie aber auch im
Regelfall weniger zu tun und durften sich für was Besonderes halten. Überhaupt wurde die Arbeit der Frauen
auch im Land der Gleichberechtigung so mies bezahlt, daß
sich jeder denkende Mensch allein schon aus dieser Tatsache seinen
eigenen Reim über Dichtung und Wahrheit hätte machen
können. Besonders Frauen in nicht-akademischen
Berufen bekamen die Gleichberechtigung deutlich zu spüren.
Es gab sogar Frauen, die ließen ihre Gebärmutter und restlichen Eingeweide auf einem
harten Traktorensitz irgendeiner LPG durcheinanderschütteln. Jeder sozialistischen Frau ihr Heldentum.
Held der Arbeit. Keine Rede davon, daß die Leuteschinder die
Frauen am liebsten gleich in den Fabriken wie in der
Massentierhaltung am Aufbau des Sozialismus beteiligt hätten,
rund um die Uhr, 24 Stunden. Belohnt mit lächerlichen Urkunden und wertlosen Anstecknadeln, nicht mit Aktien, nicht mit anständiger
Bezahlung. Gleichberechtigte, endlich durch die sozialistische Gesellschaft emanzipierte Frauen arbeiteten im Leistungslohn mehrschichtig für
1,70 Mark oder weniger. Fragen wir mal eine Näherin in der
Bekleidungsindustrie. Ein Herrenanzug wurde für 2,50 Mark West an
Neckermann oder Quelle verkauft. Mußte man Neckermann es
übelnehmen, wenn er so unbeschreiblich billig einkaufen und dem nicht widerstehen konnte? Neckermann war schließlich auch nur ein Mensch.
Oder eine Weberin in den Spinnereien/Webereien. Die
Arbeitsbedingungen für die Menschen dort entsprachen voll und ganz
der Wertschätzung der Menschen durch die pseudo-sozialistischen Sklavenhalter.
Oder wer erinnert sich noch an die Laufmaschen-empfindlichen Strumpfhosen aus Dederon, für die Frau
sage und schreibe 15,00 Mark der DDR hinblättern mußte; und das bei einem Stundenlohn von vorher erwähnten 1,70 Mark!
Die Männer verdienten in den meisten Fällen durch ihrer Hände
Arbeit so wenig, daß ihre Frauen dazuverdienen mußten.
Und der Moloch mit dem vielversprechenden Namen Volkseigener Betrieb verschlang aus vielerlei Gründen derart viel Arbeitskraft,
daß er die Frauen nicht verschonte und ihnen alles abverlangte: Betreuung der Familie, bis zu 4 Schichten Arbeit im Betrieb (Rollende Schicht),
ewiges Schlangestehen in oder schon vor den Geschäften, um an seltene Angebote ranzukommen, ohne den Glauben an den Sieg des Sozialismus zu verlieren.
Überholen ohne Einzuholen war die Devise. Das wünschte sich jeder in der Schlange. Aber das war die Quadratur des Kreises. Was für ein Glück für uns,
daß das Konsumangebot so schwindelerregend schlicht war. So blieb von dem sauer verdienten Geld wenigstens
noch was über zum Sparen. Hat sich ja schließlich nach 1989 doch noch ausgezahlt. Vielleicht war das von den Weisen des Zentralkommitees auch so gewollt?
Aber immerhin. Manche Werktätigen konnten es nicht lassen und machten trotzig auch noch lebenskraftverschleißende Überstunden, obwohl sie sich vom schwer erarbeiteten Geld eigentlich nichts Rechtes oder was wirklich Spaß machte, kaufen konnten. Wurde eben wieder gespart, wenn man es schaffte, am überteuerten Delikatladen oder pseudo-luxuriösen Exquisitladen mit selbstkasteiender, verächtlicher Mine klassenbewußt vorüberzugehen. Aber dafür gab es ja die Kindergartenplätze! Was für eine soziale Errungenschaft dieses angeblichen volksnahen Sozialismus! Diese Kindercontainer ermöglichten dem Staat immerhin den uneingeschränkten Rückgriff auf die dringend benötigte und normalerweise billige Arbeitskraft Frau und gleichzeitig den ungestörten Einfluß auf die dort abgegebenen und somit fremden Einfluß überlassenen Kinder. Und da wurde auch unverblümt und rigoros Gebrauch davon gemacht. - Bis zum Exzeß: Wir sind die jüngsten Helfer der Partei, stand auf einem Transparent, welches von den Kleinen, die noch nicht einmal lesen konnten, am 1. Mai mit leuchtenden Kinderaugen und begeistert in den Himmel gereckten Kinderärmchen hergetragen worden ist. Die Kindergärtnerinnen. Wer ihnen sowas eingegeben hatte? Das weiß der Teufel. Oder der war es gar selbst.
Dabei waren die begehrten Kindergartenplätze ebenfalls Mangelware. Eigentlich unlogisch. Doch was war schon in der DDR logisch? Nur wer es schaffte, sein Kind in einer Tages-Kinder-Krippe unterzubringen, hatte die Gewähr, daß dieses Kind ab dem Alter von drei Jahren in den Kindergarten wechseln konnte. Viele Mütter mußten in ihrer Not auf teure, private Kinder-Tagesmütter zurückgreifen, um am glücklichmachenden Arbeitsprozeß des glückverheißenden Arbeiter- und Bauernstaates teilhaben zu dürfen. Achtdreiviertelstunden nahezu nutzlose Arbeit plus dreiviertel Stunden Arbeitspause ergaben neuneinhalb Stunden Sklaverei in den volkseigenen Knochenmühlen und mindestens soviel Trennungszeit vom eigenen Kind. Der wohlverdiente Lohn dafür ging zu großem Teil für die Tagesmutter drauf, denn ein solcher Platz war um ein vielfaches teurer als ein staatlicher Krippenplatz. Aber das haben wir selbstverständlich alles schon vergessen oder lässig unter den Teppich gekehrt.
Gesundheitswesen. Schon im Wartezimmer mußte man mitunter die
Körpertemperatur messen lassen, um potentielle Simulanten von
vornherein abzuschrecken oder bereits ausgewachsenen Drückebergern gleich auf die Schliche zu kommen. Habe deshalb schon mal den Kreisarzt von
Görlitz im Rathaus aufgescheucht, der meiner Kritik
erstaunlicherweise sogar zugestimmt und den Göttern in weiß, mit oder ohne Stetoskop, in der Arztpraxis
dann tatsächlich Dampf gemacht hatte. Bei Gelegenheit konnte ich
aber diese Verfahrensweise an den wartenden Patienten weiterhin
beobachten. Mir ist sie seither allerdings erspart geblieben. Was
wieder mal bestätigt, dass es nützlich ist, wenn "... ein Wurm sich krümmt, wenn er
getreten wird." Freie Arztwahl? Es war von amtswegen vorgeschrieben, in welche Arztpraxis jeder zu gehen hatte. Aber was bedeutete einem Arbeiter-und Bauernstaat
schon die Beachtung der Menschenwürde und Selbstbestimmung. Das Verständnis
dafür reichte nicht einmal aus, um den Kranken die freie
Arztwahl zu ermöglichen. Die Straßen waren in Bereiche
eingeteilt, denen bestimmte Arztpraxen und Polikliniken zugeordnet
waren. Und dorthin mußte jeder dann hin, ob er den Arzt oder
die Krankenschwester leiden mochte oder nicht. Immer wieder, egal,
wie er dort behandelt oder abgefertigt worden war. Aber das alles muß ich
geträumt haben. Denn wenn ich im Kreis meiner Mitmenschen
hierzulande davon spreche, sehe ich nur baffes Staunen und in stumpfe
Augen. Verdrängen kann so schön sein! Aber wozu eigentlich verdrängen? Wir sind wie wir sind, fertig.
Schämen wir uns etwa, weil wir das alles mit
uns haben geschehen lassen? So stumm, so dumm? Auch diejenigen müssen sich das
fragen lassen, die sich für gebildet und in dem Zusammenhang für was Besonderes oder gar Besseres halten als die, die jenem Staat seinen Namen gegeben hatten: Arbeiter und Bauern-Staat. Gerade die!
Und noch eins: Invaliden und Rentner (wenn sie denn nicht mehr arbeiteten), durften beinahe schon problemlos in den Westen reisen, wenn wir mal übersehen, daß sie mit lächerlichen 15 Westmark für die Reisekasse ausgestattet worden sind. Und das nicht etwa pro Tag, sondern diese 15 Mark mußten für die gesamte Aufenthaltszeit im Goldenen Westen reichen! Später soll dieser Betrag sogar noch auf sage und schreibe 5 DM abgesenkt worden sein. DDR-Geld durften sie auch keines mitnehmen! Bloß gut, daß da noch die liebe Tante Gerda oder der liebe Onkel Herbert waren, die uns solange beköstigt hatten. Und die westdeutschen Gemeinden, die ein recht erkleckliches Begrüßungsgeld für jeden ostdeutschen Besucher springen ließen. Angesichts solcher Tatsachen mußte doch selbst denen die Stelle etwas weh tun, wo vielleicht mal funktionstüchtige Gehirnwindungen bei ihnen gewesen waren - also dieser berüchtigte Amputationsschmerz.
Urlaub mit dem FDGB. Urlaub im Kollektiv. Schlafen im Bettenhaus, Essen in einem Restaurant. Manchmal soll es vorgekommen sein, daß das Büfett abgeräumt war, entweder, weil man selbstbewußt etwas später noch sein Essen einnehmen wollte, oder weil das Urlauberkollektiv zu kräftig zugeschlagen oder weil zu wenig aufgetischt worden war. Dafür kann ich mich jedoch nicht verbürgen, weil: Ich hatte mir nie einen solchen Urlaub zugemutet. Solche Geschichten kenne ich nur von Hören - Sagen. Aber an Bier soll es dafür in den FDGB-Heimen nicht gemangelt haben, auch nicht im Hochsommer. Und die Urlaubsplätze sind doch auch immer gerecht verteilt worden. Niemand brauchte sich aufzuregen. Und wenn man alt genug wurde, kam man auch mal dran. Schließlich lebten wir doch nicht in einer Mangelgesellschaft. Was für eine schöne Zeit. Heute müssen wir uns in Spanien, Italien, Amerika, England, Holland und wo sonst noch herumtreiben und uns über überteuerte Bierpreise und verkeimte Badewannen ärgern, um wenigstens im Urlaub einmal Spaß zu haben. Aber vorher da ziehen uns womöglich betrügerische Reisebüros über den Tisch. Verfluchte Marktwirtschaft, verfluchte. Alles Gauner.
Wißt
Ihr noch? Für DDR Rechtsanwalt Wolfgang
Schnur (einem Ossi, wie wir uns heute leider selber
beschimpfen), hatte die CDU seinerzeit eine Ehrenerklärung
abgegeben. Und dann entpuppte er sich doch als ein erbärmlicher Spitzel der
Stasi. Und heute ist er auch noch ein mutmaßlicher
Wertpapierfälscher, der Banken betrügen soll! Ein Wolf im
Schafspelz. Oder Herrn Böhme, dem Gründer der DDR-SPD.
Nachgewiesenermaßen ein Mitarbeiter der Stasi. Auch für
diesen Mann wurde von der bundesdeutschen SPD eine Ehrenerklärung
abgegeben. Was sind also Ehrenerklärungen der Politiker
eigentlich wert? Vorsicht bei Ehrenerklärungen!
Irgendwie komme ich bei DDR-Rechtsanwalt auf Eier. Auf faule Eier. Erinnert Ihr Euch noch an die KIM-Eier, von denen in einer Zehnerpackung mindestens 3 Eier schlecht aber dafür teuer genug waren? Die teuerste Größe war das hohe C. Das bezahlten wir mit sage und schreibe über vierzig Pfennige das Stück. Die ganz miesen kleinen, Größe A, kosteten immerhin noch 29 Pfennige. Und das bei Stundenlöhnen von gerademal 1,70 oder wenn's hoch kam 2,15 Mark herum. Lebensqualität im Arbeiter-u. Bauernparpadies! Was haben wir uns da so vereiern lassen. Nimm eine Ei mehr, wenn die Hühner fleißig waren. Ei ist schädlich, wenn sie den Eierplan nicht erfüllten.
Wer braucht sie eines Tages nicht, die Brille. Die Trugbilder von Rosa Brillen kannten wir schon vorher. Erinnert Ihr Euch noch an die klobigen Nasengestelle der Krankenkasse SVK? Viel Auswahl gab es beim Optiker auch für die nicht, die sich etwas Schickeres leisten konnten. Der Einheitslook eben. Heute will sogar jener eine Brille tragen, der gar keine braucht, weil sie so hübsch und intelligent machen
Die Errungenschft Sandmännchen: Kein Grund, vor Stolz zu platzen, auch wenn diese Kindersendung wirklich gut war und auch noch gut ist. Die ist übrigens weitgehend und merkwürdigerweise vor ideologischem Missbrauch verschont geblieben. Der Teufel weiß, warum. Kluge Leute lassen sich keinen Sand in die Augen streuen, auch nicht, nachdem der Spuck endlich vorbei ist.
Das Grüne Männchen: Kein Grund, vor Stolz zu platzen. Kluge Leute wissen selber, wo's langgeht.
Und nochmal zum Telefonieren!
Ein eigenes Telefon hatten die wenigsten von uns. Für private Leute gab es eine Mindestwartezeit von 15 Jahren! Aber für die meisten blieb das Illusion. Und wolltest du dann mal in den Westen mit Verwandten telefonieren, mußtest du das Gespräch erst anmelden. Selbst den Teilnehmer anwählen war nicht drin. Schließlich mußte die allmächtige Partei wissen, was du den Verwandten im Westen mitzuteilen hattest.. Und diese Gesprächsanmeldung konnte viele schier endlose Stunden dauern! Mitunter kam das Gespräch aber erst am nächsten Tag zustande. Oder gar nicht. Da saß man wie auf Kohlen!
Vorfreude der Werktätigen auf das Wochenende. Die gut abgerichteten Radio-Moderatoren der SED-eigenen Rundfunkanstalten aber auch absolut linientreuen Volksverdummer im DDR-Fernsehen verbreiteten getreu ihrem Klassenauftrag keine Freude bei den Menschen auf das arbeitsfreie Wochendende. Statt dessen steigerten sie am Freitag noch ihre geheuchelte Euphorie hinsichtlich des Willens der Werktätigen in der Produktion zur steten Erhöhung der Produktion und um die leidige unendliche Geschichte "Planerfüllung". Wie öde! Wie frustrierend! - Und alle Tristess schon vergessen? Das ganze Wochenende berichteten sie von den vermeintlichen Erfolgen bei der Planerfüllung in den angeblich Volkseigenen Betrieben und bei den Schlachten der Genossenschaftsbauern der LPG's auf den Feldern, wenn es Erntezeit war. Als hätten die Arbeiter und Bauern nichts anderes im Sinn, als die Glückwünsche der SED und die Planerfüllung. Und Montag ging der ganze öde Rummel von vorne los. Alles zum Ruhme der Chlorreichen Partei der missbrauchten Arbeiterklasse.
Weihnachten zu Erichs Zeiten: Ich erinnere mich noch gut daran, wie von Rundfunk und Fernsehen tunlichst vermieden worden war, vor Erreichen des Heilig' Abend überhaupt Weihnachtsmusik, die alten, bekannten Weihnachtslieder zu spielen. Nicht einmal für die Kinder die beliebten, lustigen Vorweihnachtslieder! War das kinderfreudlich? Diese traurige Feststellungg machte ich jedenfalls bis Ende der Siebziger.
Erinnern wir uns noch an so manche Entgleisungen der, wie sie sich selber nannten, - Kulturschaffenden? Zum Beispiel an den Fernsehfilm Ich will nicht leise sterben. - ? Eines der Machwerke, was die ganze Perversion der absurden Vorstellungen und Ziele dieser verkorksten Genossen charakterisiert: Eine Frau aus der sozialistischen Produktion hat lange das Rentenalter überschritten und kann nun doch nicht mehr mitarbeiten und an den Schlachten um Erfüllung und Übererfüllung der Produktionspläne teilnehmen. Weil sie aber mit all dem so sehr verwachsen ist, die Arbeit als einzigen Grund ihres Leben überhaupt verinnerlicht hat und ohne dem himmlischen Lärm in der Werkhalle nicht leben kann und nicht in Stille und Abgeschiedenheit sterben will, wird ihr Bett kurzerhand in einer Ecke der lärmenden Werkhalle aufgestellt. So wird sie sehlig einschlafen und genau den Tod haben, den sich ein DDR-Bürger, wenn er seine Lektion brav gelernt, gefälligst zu wünschen hat. Leben für die Produktion, sterben in der Produktion. Der "sozialistische" Mensch als fleischgewordene Maschine.
Vergessen wir nicht die frühgeschichtliche sozialistische Produktions-Animateurin Frieda Hockauf: Als die Werktätigen in den Volkseigenen Betrieben immer mehr die Qualität vernachlässigten, ließen sich die Propagandisten der SED den Spruch einfallen ... meine Hand für mein Produkt! und legten diesen denkwürdigen Satz eben dieser Frieda in den zahnlosen Mund. Genutzt hat es übrigens auch nichts. Die vermurkste Planwirtschaft war trotzallem zahnlos geblieben.
Arbeiter-u. Bauernstaat?
Im Arbeiter- u. Bauernstaat war ausgerechnet der Arbeiter der letzte Dreck. Nicht nur, das der Arbeiter in der Regel mit den niedrigsten Löhnen abgespeist worden war, er hatte auch allgemein ein geringes gesellschafliches Ansehen. Er bekam auch gegenüber denen, die sich geradezu stolz als Angehörige der sozialistischen Intelligenz bezeichneten, z.B. weniger Jahresurlaub und schließlich zum Lebensende weniger Rente. Und das im Arbeiter-u. Bauernstaat. Vielen war es im Arbeiter-u. Bauernstaat geradezu peinlich, nur Arbeiter zu sein. Drum wurde fleißig qualifiziert auf Teufel komm'raus mit dem Ziel, dadurch das zu bekommen, was einem sonst nicht zuteil wurde. Eigentlich hätte dieses Fortbildungs-Syndrom letztendlich allein schon zur gänzlichen Ausrottung des Proletariats in der DDR und zum Zusammenbruch des Arbeiter-u. Bauernstaates führen müssen, wenn jeder von den Möglichkeiten der "Qualifizierung" Gebrauch gemacht haben würde. Damit hätte sich der Arbeiter-u. Bauernstaat von selbst erledigt.
Die Volksverdummer der SED und den Helfern in ihren Blockparteien hatten
davon gefaselt, sie wollten die Klassengesellschaft abschaffen. Der
Sozialismus als klassenlose Gesellschaft. Doch in Wirklichkeit
ersannen sie nur noch eine weitere Klasse: Die Klasse der
sozialistischen Intelligenz. Und diese
gesellschaftliche Elite leistete sich im Sozialismus und
auf dem Rücken des Proletariats sogenannte Clubs der
Intelligenz, die zumeist in den Städten existierten. Ein
Arbeiter oder Bauer ohne Fach-oder Hochschulabschluß hatte
dorthinein keinen Zutritt; es bestand für diesen gewissermaßen
Hausverbot - eine Hirnschranke, nachsichtig ausgedrückt. In diesen Clubs war die geistige Elite
unter sich und wollte dies auch bleiben. In diesen schizophrenen
Clubs versammelten sich die eigentlich impotenten
Möchtegern-Weltverbesserer und frönten ihrem neu
gewachsenen, auswuchernden Dünkel. Obwohl sie sich nahezu alle
aus dem Proleten-Milieu rekrutierten oder dort ihre Wurzeln hatten und eigentlich noch immer in ihrer alten Haut steckten. Ein für mich kluger Mensch hat das punktgenau so formuliert, Zitat: "Ein Zwerg bleibt immer ein Zwerg, und steht er auf dem höchsten Berg.", Zitatende.
Im Arbeiter- und Bauernstaat war es peinlich Arbeiter zu sein. War
man Arbeiter, galt man als dumm und war somit prädestiniert,
alle damit verbunden Zumutungen und Nachteile wiederspruchslos
hinzunehmen.
Ein Leser dieser Zeilen konnte noch eine Form der Volksverdummung beisteuern: Haltlose Versprechungen. "Wie wir heute arbeiten, werden wir morgen leben!", hieß es da in den Parteitagsparolen der SED. Fazit: Nach dem, wie sich das Leben der selbsternannten DDR-Bürger entwickelte, müssen die Leute allerdings sehr schlecht gearbeitet haben.
Ach was waren wir doch stolz, wenn ausgerechnet im Arbeiter- und Bauernstaat DDR unsere Kinder die Erweiterte Oberschule besuchten und nicht etwa diese schnöde Allgemeinbildenden Oberschulen. Pa! Die waren doch was für diese Kinder der Arbeiter- und Bauerntölpel. - Verrückt, nicht wahr?
Aber mit derartigen, recht interessanten Phänomenen menschlicher Verhaltensweisen und Denkweisen beschäftigen wir Medienschaffenden uns nicht. Was geht uns unsere Geschichte von Gestern an. DDR? Was war das doch gleich? DDR-Rundfunk, keine Ahnung.
Wie, da sollen die Radiomacher, feurige, sehr engagierte Moderatoren, von Montag bis Sonntag stink langweilig und penetrant überwiegend von den angeblichen Erfolgen in der Produktion, großartigen sozialistischen Siegen an der Produktionsfront im ständigen Kampf um die Erfüllung und Übererfüllung von Produktionsplänen zu Ehren der allein seligmachenden Partei, der großartigen SED, berichtet haben? Das kann doch nicht sein. Soviel Unsinn und Irrsinn wird kein normaler Mensch tagtäglich den Hörern am Radio zugemutet haben. Und zwischendurch gabs was auf die Ohren: Musik von den im Volk meist ungeliebten DDR-Schlagerinterpreten. "Häng den Mond in die Wolken, sag der Nachtigall bescheid ..." oder schon mal kämpferische Lieder wie die vom Oktoberclub etwa.
- Also, ich weiß von nichts. In meiner Zeit ... Oder etwa doch?
Fortsetzung hier!
eMail genügt! Der Verdrängungsmechanismus funktioniert hervorragend. Alles nimmt immer noch ... seinen sozialistischen Gang, wie es volksdümmlich hieß.
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