Aufarbeitungskultur

Verfasst am 11.03.2008 09:25:34 Uhr

Klaus R. frontal ...

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Deutsche Aufarbeitungskultur unserer Geschichte

Sehr geehrte Damen und Herren,

als ehemaliger Politischer Häftling des an seiner völligen Verlogenheit, Widersprüchlichkeit, unverzeihlicher Menschenverachtung und Schizophrenie jämmerlich zusammengestürzten DDR-Systems beobachte ich sehr genau das Verhalten der deutschen Bevölkerung sowohl der ehemaligen westdeutschen Länder als auch ganz besonders der in Ostdeutschland.

Was ich dabei wahrnehme ist alles andere als beruhigend. Es gibt auch keinerlei Anlass, auf uns Deutsche stolz zu sein. Wir benehmen uns beim Umgang mit unserem eigenen schäbigen, peinlichen, ehrrührigen Verhalten sowohl in den bisher untergegangenen Diktaturen als auch in der aktuell bestehenden Bundesrepublik Besorgnis erregend uneinsichtig und lernunfähig. Arrogant tun wir so, als hätten wir mit den Geschehnissen, den Ereignissen in unserer Vergangenheit und der Gegenwart, den durch uns deutsche Bürger verübten Verbrechen nichts zu tun, als ginge uns das alles nicht wirklich etwas an. Schon gar nicht persönlich. Und wir bräuchten für unser Verhalten nicht gerade zu stehen.

Was nützt es, wenn ein Häufchen Landsleute in den Büros der BStU (Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR) akribisch herauszufinden versuchen, wie zum Bsp. Stasistrukturen aufgebaut und Seilschaften funktioniert haben oder gar noch funktionieren, wenn wir sowohl intellektuell als auch moralisch außerstande sind, daraus für das gegenwärtige und künftige Verhalten jedes Individuums dieser unserer Gesellschaft die überfälligen, die notwendigen richtigen Schlüsse zu ziehen und unverzügliche Besserung geloben und damit anfangen, über unsere eigenen Verhaltensweisen nachzudenken und sie schleunigst zu ändern? Das die geändert werden müssen, liegt klar auf der Hand, wenn wir die Wiederholungen abartiger, menschenunwürdiger Geschichte verhindern wollen. Der Nutzen von Erfahrungen liegt in deren Verwertbarkeit. (klaus)

Persönliche, individuelle Verhaltensweisen jedes einzelnen von uns Bürgern müssen endlich schonungslos unter die Lupe genommen werden. Dann dürfte sich sehr schnell klar und unmissverständlich zeigen, wie derartige verbrecherische Diktaturen und Ungerechtigkeiten überhaupt zustande kommen. Uns Bürger würde endlich klar werden, durch was und durch wen solche Entgleisungen, derartige Verwerfungen ermöglicht werden. Die von uns Deutschen begangenen Verbrechen und Schandtaten kommen nicht von ungefähr. Auch nicht die, deren wir uns heute schon längst wieder schuldig machen, selbstverständlich ohne das auch nur im Ansatz bemerken zu wollen.

Den eigenen inneren deutschen Schweinehund unerbittlich ins Visier zu nehmen, das verstehe ich unter einer ehrlichen, konsequenten und längst überfälligen Aufarbeitung unserer unrühmlichen, die Ehre eines Volkes verletzenden Deutschen Geschichte.

Stattdessen verkriechen wir uns hinter der verlogenen Behauptung, es gäbe keine Kollektivschuld. Für uns sind immer nur die anderen schuld. Die Oberen. Die da oben. Die man eigentlich nicht greifen kann. Die eigentlichen Übeltäter sind für uns immer nur die Spitzen in der Gesellschaft. Die sichtbaren Akteure, die Staatsführung. Dabei übersehen wir beflissentlich, dass gerade eben diese Spitzen ausschließlich ihren Halt da finden, worauf sie sich stützen: Auf das Volk, die Bürger, die Individuen – auf deren Verhalten. Die Auswirkungen der Akteure in der Politik oder einer kriminellen Clique sind immer das mit dem Volk Machbare.

Bedenken Sie, die Sie wirkungslos im Müll unserer jämmerlichen Geschichte wühlen, endlich: Eine tatsächliche Aufarbeitung des SED-Regimes ist nur durch die ehrliche Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle und den ganz persönlichen Verhaltensweisen in und gegenüber diesem Regime möglich! Fangen wir endlich damit an.

Mit freundlichen Grüßen
Klaus

Jeder ist des andern Glückes Schmied. (klaus)

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